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Luitpold Gymnasium alt

1888
„Der Landrat anerkennt das Bedürfnis der Errichtung einer zweiten aus sechs Kursen bestehenden Kreisrealschule…“. Dieser Beschluss vom 20.11.1888 steht am Anfang der Luitpold-Kreis-Realschule, die notwendig geworden war, nachdem die 1833 gegründete Kgl. Kreisrealschule mit über tausend Schülern die Grenzen ihres Fassungsvermögens erreicht hatte. Die folgenden Jahre sind gekennzeichnet vom Erwerb des „königlichen Holzhofs“ zwischen der Liebigstraße und der erst projektierten Prinzregentenstraße, von Planungen für das Schulgebäude und von Kostenvoranschlägen in Höhe von 1.120.000 Mark, die dann auf 909.000 Mark gesenkt werden können.

1890
Im Juni beginnen die Bauarbeiten, die unter Leitung des Kgl. Regierungs- und Kreisbauassessors Reuter, der auch die Pläne entworfen hatte, in 14 Monaten zum Abschluss gebracht werden.

1891
Am 3. Juli erhält die neue Schule die allerhöchste Genehmigung zur Führung des Namens „Kgl. Luitpold-Kreisrealschule“. Am 1. August wird die Schulleitung Gymnasialprofessor Adolf Sickenberger übertragen. Am 30. September wird das Gebäude an der Alexandrastraße seiner Bestimmung übergeben, das am 1. Oktober von 538 Knaben in 14 Abteilungen bezogen wird. Am 21. November erfolgt schließlich die feierliche Eröffnung in Anwesenheit des Staatsministers der Finanzen Dr. Freiherr von Riedel und des Münchner Bürgermeisters Dr. von Widenmayer. Die neue Schule erfreut sich wachsender Beliebtheit, 1898 wird sie bereits von 989 Schülern besucht, so dass eine dritte Realschule gegründet werden muss.

1902
Mit der Errichtung eines pädagogisch-didaktischen Seminars für Reallehrer (Deutsch, Geschichte, Erdkunde) beginnt die Geschichte der Luitpold-Realschule als Seminarschule. Für diejenigen Schüler, die ein Universitätsstudium anstreben, ist die Realschule mit Nachteilen verbunden: Sie müssen anschließend eine der bayerischen Industrieschulen besuchen, um dann an der Technischen Hochschule ihre eigentlichen Studien beginnen zu können. Oder sie müssen nach dem erfolgreichen Abschluss Latein nachlernen und an ein Realgymnasium wechseln. Das Vorbild Preußens, wo es um die Jahrhundertwende bereits 75 Oberrealschulen gab, und eine öffentliche Kampagne des Realschulmännervereins führen schließlich zu dem Landtagsbeschluss, dass in jedem Regierungskreis eine Oberrealschule errichtet werden solle.

1907
Die Luitpold-Kreisrealschule wird zur Luitpold-Kreis-Oberrealschule erhoben. Mit Beginn des Schuljahres 1907/1908 wird der Unterrichtsbetrieb sofort mit neun Klassen aufgenommen, da bisherige Münchner Industrieschule aufgelöst wurde und ihre Schüler in die Oberkassen der Oberrealschule übertreten mussten. Die Absolventen der Oberrealschulen werden zu den wichtigsten Studiengängen zugelassen, so z.B. auch zum Medizinstudium. Daneben stehen ihnen aber auch die verschiedensten Sparten des öffentlichen Dienstes offen. Unter der Leitung des Rektos Dr. Johann Baptist Krallinger (1900-1918) gewinnt die Luitpold-Oberrealschule in München großes Ansehen. Dass sie fast zu der Repräsentationschule Münchens wird, liegt vor allem daran, dass hier zum ersten Mal physikalische, chemische und biologische Schülerübungen durchgeführt werden.

1914
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird die Hälfte des Schulgebäudes von einer Ersatzkompanie des Infantrie-Leibregiments besetzt.

1918
Am 3. Dezember konstituiert sich ein Schülerrat aus Vertretern der 6.-9. Klassen, der sich jedoch im folgenden Jahr wieder auflöst.

1919
Währens der Münchner Räterepublik werden am 30.04. im damaligen Luitpold-Gymnasium an der Müllerstraße 10 Geiseln von der sogenannten Roten Armee erschossen. Mit einer Entschließung des Kultusministeriums wird an allen bayerischen Schulen ein Elternbeirat geschaffen.

1923
Die Luitpold-Oberrealschule ist die erste bayerische Oberrealschule, an der eine eigene Handelsabteilung eröffnet wird, in der Handelskunde als eigenständiges Fach unterrichtet wird.

1925
Unter der Leitung des Geheimen Studienrates Dr. Eugen Eiber (1919-1932) treten zu Beginn des Schuljahres erstmals 25-30 Mädchen, die die 10. Klasse eines Lyzeums erfolgreich abgeschlossen haben, in die 5. Klassen der Luitpold-Oberrealschule ein.

1927
Da die St.-Anna-Mädchenschule mit dem Aufbau einer eigenen Oberstufe beginnt, werden keine Mädchen mehr aufgenommen. Am 31.01. wird die Studiengenossenschaft gegründet, deren Ziel es ist, die Verbindung zwischen den ehemaligen Schülern untereinander und mit der Schule zu pflegen.

1932
Am 13.10. findet die feierliche Einweihung des Schullandheims in Sachsenhausen statt, an der die gesamte Schülerschaft teilnimmt.

1934
Oberstudiendirektor Dr. Huther, seit 1932 Leiter der LOR, wird aus seinem Amt entfernt. Sein Nachfolger wird Dr. Kurt Speyerer, Träger des goldenen Parteiabzeichens, der die Schule bis 1940 leitet.

1938
Aufgrund eines Erlasses des Reichsministers für Erziehung und Unterricht müssen am 15. November die letzten jüdischen Schüler die Luitpold-Oberrealschule verlassen.

1944
Am 24. April zerstören Brandbomben das Gebäude der Luitpold-Oberrealschule an der Alexandrastraße. Nach vergeblichen Versuchen, den Unterricht im Gebäude der Gisela-Oberrealschule weiterzuführen, löst sich im September die Schule auf. Der letzte Direktor, Engelbert Endraß, zieht sich freiwillig in den Ruhestand zurück.

1945
Der von den Nationalsozialisten seines Amtes enthobene Alt-Oberstudiendirektor Dr. Huther versucht zunächst auf eigene Faust, die Luitpold-Oberrealschule wiederzubeleben. Am 1. November wird er schließlich offiziell wieder zum Schulleiter bestellt. Noch in diesem Jahr gelingt es ihm, im Gebäude des Wilhelmsgymnasiums an der Thierschstraße den ersten Schulbetrieb mit 575 Schülern in 15 Klassen wiederaufzunehmen.

1951
Oberstudiendirektor Dr. Hans Ruider übernimmt die Leitung der Schule. Entschlossen und energisch bertreibt er den Bau eines neuen Schulgebäudes. Die die Planung von 27 Klassen und einer Gesamtzahl von 1000 Schülern ausgeht, ist der alte Platz an der Alexandrastraße offensichtlich für einen Neubau zu klein. Deshalb wird das Gebäude des Kulissengebäudes der Staatsoper an der Seeaustraße zum neuen Standort bestimmt.

1955
Ein Architektenwettbewerb für das neue Schulgebäude bringt zwar keinen Sieger hervor, sondern nur zwei zweite Preise. Einen davon erhält der später verwirklichte Entwurf von Karl Kergel, der von der Jury als der „beste Beitrag zur Lösung der gestellten Aufgabe“ bezeichnet wird.

1956
Dr. Ruiders Nachfolger Oberstudiendirektor Michael Baumeister kann Ende Oktober mit dem ersten Hebelgriff am Bagger die Bauarbeiten einleiten.

1958
Am 1. September ist das neue Gebäude bezugsfertig, damit ist der erste Schulneubau der Stadt München nach dem Krieg fertiggestellt.

1964
Manfred Schnelldorfer, Abiturient des Luitpold-Gymnasiums, wird in Innsbruck Olympiasieger im Eikunstlauf der Herren. Professor Feodor Lynen, der im Jahre 1930 an der LOR das Abitur ablegte, erhält den Nobelpreis für Medizin und Physiologie. 1953 übernahm er an der Universität München den ersten Lehrstuhl für Biochemie in Deutschland, 1954 wurde für ihn das Max-Planck-Institut für Zellchemie geschaffen.

1965
Im Zuge der allgemeinen Umbenennung der Höheren Schulen erhält die Luitpold-Oberrealschule den Namen Luitpold-Gymnasium.

1971
Oberstudiendirektor Michael Baumeister geht in den Ruhestand und Oberstudiendirektor Dr. Georg Lachenmayr wird sein Nachfolger.

1975
Mit Beginn des Schuljahres 1975/76 wird am Luitpold-Gymnasium in einer Versuchsphase die reformierte Oberstufe, die sogenannte Kollegstufe, vorzeitig eingeführt. Die 11. Klassen werden auf die neuen Unterrichtsformen und Lerninhalte vorbereitet.

1976
Am 1. April übernimmt Hermann Ströbel die Leitung der Schule. Mit Beginn des Schuljahres treten die 89 Kollegiaten in die Kursphase der Jahrgangsstufe 12 ein. An die Stelle des festgelegten Fächerkanons treten nun frei gewählte Grund- und Leistungskurs-Fächer. Dementsprechend bestehen die Jahrgangsstufe 12 und 13 nicht mehr aus Klassen, sondern aus Kursen. Nachdem schon 1974 die Hälfte des Fahrradkellers zu einem Informatikraum ausgebaut worden war, verfügt das Luitpold-Gymnasium seit dem 9. November als eine der ersten Schulen Bayerns über einen eigenen Computer mit sechs Schülerarbeitsplätzen. Damit wird das Luitpold-Gymnasium zum Wegbereiter für die Einführung von Informatik als Unterrichtsfach an den bayerischen Schulen.

1981
Am 1. April tritt Rudolf Geßler sein Amt als Leiter des Luitpold-Gymnasiums an. Er betreibt energisch die Öffnung der reinen Bubenschule für Mädchen, von der er sich vor allem eine Verbesserung des Schulklimas verspricht.

1983
„Dem Antrag der Schule auf Einführung der Koedukation wird mit Beginn des Schuljahres 1983/84 stattgegeben. Diese Regelung trifft erstmals für die Klassen der Jahrgangsstufe 5 des o.g. Schuljahres zu.“ (KMS vom 3. März 1983).

1988
Nach der Pensionierung von Oberstudiendirektor Rudolf Geßler übernimmt Dr. Otto Freundl (bis 2003) die Leitung der Schule.

2003
Nachfolger von Dr. Freundl wird Oberstudiendirektor Helmut Kirmaier.

2010

Oberstudiendirektor Bernd Hieronymus wird neuer Leiter des Luitpold-Gymnasiums.

(Erich Hage und Hannes S. Macher)